Keramik und Natur
Für mich war es eine lange Suche nach einer künstlerischen Tätigkeit, welche die Liebe und das Bewusstsein für Natur und den Drang nach plastisch-ästhetischer Arbeit vereint.

Keramik und Natur
Wenn ich wirklich mit der Natur arbeiten will, muss ich zuerst lernen einen großen Teil der eigenen Kontrolle und Entscheidungsmacht aufzugeben.
Wenn ich das schaffe, kann sich ein riesiges Spielfeld eröffnen mit unendlichen Möglichkeiten zum Experimentieren-Keramik und Natur können beide Teil des Prozesses sein.
Die Natur bietet ein Gegenüber, das Kompromisse einfordert und gleichzeitig Ergebnisse und Impulse einbringt, die meine Vorstellungskraft vollkommen übersteigen und erweitern.
Der gesamte Arbeitsprozess ist verändert- die Kunst entwickelt sich vom natürlichen Material aus und nicht umgekehrt.
Durch die Verwendung gesammelter, natürlicher Materialien entsteht eine andere Perspektive auf den eigenen, kreativen Prozess. Denn ich kann zwar gezielt Ton in verschiedenen Farben oder von unterschiedlichen Orten sammeln oder auch die Asche bestimmter Pflanzen herstellen und nutzen, aber das sichtbare Ergebnis auf der Keramik wird maßgeblich davon bestimmt, was natürlicherweise im Material enthalten ist. Die Entwicklung aller, ästhetischer Entscheidungen hängt in erster Linie davon ab, wie die ersten Tests des Naturtons oder der Asche verlaufen und was nach dem Brand sichtbar wird.
Danach kann ich unterschiedliche Mischverhältnisse oder Konsistenzen ausprobieren, um die Ergebnisse in eine bestimmte Richtung zu lenken um ggf. Effekte stärker hervorzubringen oder die Verarbeitungsqualität zu erhöhen.
Ich liebe diese forschende Herangehensweise und dieses Wechselspiel zwischen mir und dem Materialen, zwischen Keramik und Natur-immer wieder ausprobieren, neue Impulse verarbeiten und weiterentwickeln. Genau so möchte ich arbeiten- nicht stehen bleiben bei einem Design oder einer Kollektion. Ich möchte weiterforschen, denn das fühlt sich für mich nach meiner Arbeit an-Keramik mit der Natur.
Mein Weg mit dem Ton
Ton zu verarbeiten, hat sich für mich schon immer harmonisch angefühlt. Das Material in meinen Händen und der Prozess des Formens waren für mich das, was meine künstlerische Arbeit ausgemacht hat. Es fiel mir jedoch schwer, Arbeiten abzuschließen – die keramische Oberfläche mit kommerziellen Glasuren abzudecken. Dies hat für mich persönlich die Verbindung zu meinen Objekten getrennt. Die Beziehung, die ich durch die Arbeit mit meinen Händen aufgebaut hatte, war nicht mehr da. Die ehrliche Ästhetik des Tons macht für mich das Objekt authentisch. Knallige Glasuren in modischen grünblau Tönen finden bei mir aus ökologisch, nachhaltigen Gründen, aber auch aus Gründen der Authentizität keinen Platz.
Zwei Aspekte machen mich heute in meiner künstlerischen Arbeit sehr glücklich: Mit dem Fokus auf der Verwendung von Naturton und dem Verfahren des Grubenbrands habe ich Wege gefunden, meine Arbeiten zu beenden. Die ursprüngliche Oberfläche bleibt erhalten, der Ton selbst darf in den Fokus rücken und die Rauchspuren fügen Betonungen und Schattierungen hinzu, ohne das Eigentliche zu überdecken. Keramik und Natur finden zusammen. Die Glasuren, welche ich auf meiner Gebrauchskeramik verwende, stelle ich selbst aus gesammeltem, natürlichem Ton und Pflanzenasche her. Mit diesen Schwerpunkten, bin ich nicht auf industriell verarbeitete Rohstoffe angewiesen und kann auf natürliche sowie organische Materialien zurückgreifen, die ich in meiner Umwelt sammle.
Es entsteht eine wunderbare Verbindung zwischen Keramik und Natur, zwischen dem Objekt und der Landschaft, in der ich lebe.
In diesem Sommer gibt es einen Wildton retreat in Flensburg. In Kooperation mit Lea von foerdeofen wollen wir das Thema Keramik und Natur auch anderen Menschen näher bringen.
Ganzheitlichkeit
Als ich diesen Zusammenhang für mich erkannte, konnte sich meine keramische Arbeit zu einer erfüllenden und für mich ganzheitlichen Tätigkeit erheben. Durch die Eigenschaften der gesammelten Materialien bleibt der künstlerische Prozess in einem Spannungsverhältnis von ästhetischer Planung, handwerklichen Prozessen und zufälligen Ereignissen. Das macht die künstlerischen Objekte unberechenbar, einzigartig und in ihrer exakten Erscheinung nicht reproduzierbar.
Die Natur ist nach klaren Regeln und Mustern geordnet und doch ist jedes kleinste Stück davon individuell und einmalig, weil die Natur lebendig ist. Organisches Wachstum kennt Symmetrie, Muster und Konzept und doch keine absolute Perfektion im Sinne einer festgelegten Norm. Natur entwickelt sich ständig weiter, passt sich an, vereint Schönheit und Funktion zu unendlich vielen, kleinen Kunstwerken.
Ich wünsche mir für meine Arbeiten diese lebendige Entwicklung – das Hervorbringen von Objekten, die mit und im Sinne der Natur gestaltet sind.
Wilden Ton suchen und finden

Wilder Ton lässt sich in fast jeder Landschaft finden. Er begegnet mir, wenn ich mit meinem Hund an der Flensburger Küste entlang streife, wenn wir Wanderurlaube in Dänemark machen, wenn wir ein Waldbad nehmen oder wenn wir in Hamburg an einer Baustelle vorbeikommen. Ich schätze, es ist so wie mit vielen Dingen: Wenn man eine Sache erstmalig richtig bewusst wahrgenommen hat und daraus eine Faszination entsteht, begegnet sie einem überall. Und so ist es wohl mit mir und dem wilden Ton. Als Person, die sich viel und gerne in der Natur bewegt, komme ich nicht drumherum, ihn überall zu entdecken. Seit ich meine Forschungen zum wilden Ton begonnen habe, versuche ich jede genommene Tonprobe zu dokumentieren, zu testen und in meiner Keramik zu verarbeiten.

Jeder gesammelte Ton hat eigene Eigenschaften. Er unterscheidet sich in Plastizität, Stabilität, Farbe und Brenntemperatur. Nicht jeder Ton eignet sich gleichermaßen für den Aufbau oder als Glasur. Der Ton bestimmt dadurch maßgeblich den künstlerischen Prozess.
Ich liebe es, mit meinem Hund die heimischen Strände und Steilklippen zu erkunden und dabei organische Materialen zu sammeln. So hält Keramik für mich die perfekte Balance zwischen der Erkundung der natürlichen und geographischen Umgebung – also der heimischen Pflanzen, Steine und Böden – sowie der Planung und Herstellung eines daraus erwachsenden, ästhetischen Objekts.

Grubenbrand
Der Brand in einer Tonne oder einer Grube
Im Grubenband verwende ich für die Farbgebung der Gefäße organische Materialien. Diese verbrennen im Feuer und hinterlassen durch ihre enthaltenen Mineralstoffe Rauschspuren auf der keramischen Oberfläche. Die Materialien werden mit Draht am Objekt befestigt. Ich verwende Pflanzen von der Flensburger Küste, wie zum Beispiel Seealgen und Ackerschachtelhalm oder ich nutze Küchenabfälle wie beispielweise Bananen- und Nussschalen sowie Kaffeesatz.
Jede Farbgebung ist einzigartig und somit auch jedes Objekt ein Unikat.
Die vorbereiteten Objekte brenne ich in einer Grube oder einer Tonne. Bestandteile des offenen Feuers sind unter anderem Holz, Sägespäne oder Heu, Nussschalen, getrockneter Kuhdung und Salz. Durch das zugefügte Salz wird der Rauch auf den Objekten gebunden und hinterlässt die typischen Spuren des Grubenbrands. Das Feuer brennt mehrere Stunden und muss dann sehr langsam auskühlen, da schnelle Temperatursprünge die Keramik bersten lassen.

Nach 24 Stunden können die Objekte aus der Asche geborgen werden.
Danach werden sie gereinigt, geschmirgelt und poliert. Jeder Grubenbrand fordert neben faszinierenden Ergebnissen auch seinen Preis – denn meistens kommen nicht alle Objekte unbeschadet aus dem Feuer. Obwohl ich durch das Sammeln meiner Erfahrungen den Prozess immer wieder optimieren kann, bleibt es am Ende doch ein heikles Spiel mit Feuer und Wind.
Scheinende Oberflächen
Ich verwende zwei Methoden, um die Oberfläche meiner Objekte scheinen zu lassen. Die erste Möglichkeit ist eine Politur. Die Technik stammt aus der Antike und wurde genutzt, um die Durchlässigkeit der Gefäße für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten zu verringern. Außerdem kann der Ton so einen starken Glanz hervorbringen. Ton enthält winzige Plättchen, die durch Reibung waagerecht ausgerichtet werden und so das darauf scheinende Licht reflektieren. Auf einer polierten Oberfläche kommen farbige Verläufe, die im Grubenbrand entstehen, gut zur Geltung.
Eine zweite Möglichkeit ist Terra Sigillata, die bereits 530 v. Chr. verwendet wurde, um Gefäße zu veredeln. Terra Sigillata bedeutet übersetzt: versiegelte Erde und bezeichnet einen sehr dünnen, glatten Überzug keramischer Gegenstände. Im Grund genommen ist sie eine Engobe aus feinsten Tonpartikeln, die ebenfalls durch eine leichte Politur in Position gebracht werden, um Glanz und Dichte zu erzeugen. Ich stelle meine Terra Sigillata selbst her. Sie besteht ausschließlich aus Ton und Wasser.

Keramik aus dem Grubenbrand findest du Hier.
Natürliche, nachhaltige Glasuren
Warum ich keine industriellen Glasuren verwenden möchte
Abbau
Einzelne Rohstoffe aus industriellen Glasuren werden unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Der Transport und die Herkunft der Bestanteile sind kaum nachzuverfolgen.
Naturschutz
Die meisten industriell hergestellten Glasuren enthalten Inhaltsstoffe, welche Gewässer und Lebewesen vergiften und die Umwelt schädigen. Selbst wenn dies nicht auf den Glasuren gekennzeichnet ist, heißt das lediglich, dass die Konzentration besagter Inhaltsstoffe so gering ist, dass sie laut Gefahrenstoffverordnung nicht gekennzeichnet werden müssen.
Gesundheit
Die Verarbeitung industrieller Glasuren stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Beim Anmischen von Pulverglasuren entsteht Glasurstaub, der eingeatmet werden kann. Ebenso fällt im Prozess des Glasierens Abwasser mit darin enthaltenen Glasurresten und deren bedenklichen Bestandteilen an, das nicht in unser Grundwasser gelangen darf.

Aus diesen Gründen ist ein bedenkenloser Einsatz fertiger Glasuren für mich nicht vertretbar. Eine ökologisch nachhaltige Alternative bieten selbst hergestellte Glasuren aus Naturmaterialien, welche in der Umgebung gesammelt werden. Diese Erkenntnis hat meine Sichtweise verändert und den Grundstein für die Herstellung meiner eigenen, nachhaltigen Glasuren für Gebrauchskeramik gelegt.
Das Entwickeln von nachhaltigen Glasuren aus Naturton, Asche und Gesteinen bietet ein unerschöpfliches Feld des Experimentierens.
Es gibt nachhaltige Glasuren, die lediglich aus einem Naturton bestehen und alle nötigen Bestandteile mitbringen, die eine Glasur benötigt, um gläsern auszuschmelzen. Die Kirschfurter Glasur ist dafür ein gutes Beispiel. Nach dem Sammeln wird sie lediglich gesiebt und zur richtigen Konsistenz aufbereitet.

Ebenfalls unter den Pflanzenaschen gibt es mineralische Zusammensetzungen, die alleinstehend gut funktionieren, wie zum Beispiel die Asche aus dem Holz von schwarzen Johannisbeeren.
Eine weitere Möglichkeit besteht im Einsatz der natürlichen Materialien als Komponenten einer nachhaltigen Glasur. Nachdem die Materialien gesammelt und aufbereitet sind, werden sie zum Testen gebrannt. Danach lassen sich Eigenschaften beobachten und dokumentieren. Mit diesen Informationen können dann unterschiedliche Tone oder Aschen miteinander kombiniert werden. Diese Mehrkomponentenglasuren werden wiederum im Brand getestet und nach einer Analyse erneut angepasst.
Das Sammeln von heimischen Materialien und das Testen dieser bringt eine sehr genaue Auseinandersetzung mit Böden, Pflanzen und Gesteinen mit sich. Ich darf eng mit der Natur zusammenarbeiten, die mich umgibt und viel über sie lernen. Diese Verbindung von nachhaltiger Keramik und Natur macht mich und meine Arbeit aus.
Zu diesem Thema biete ich Kurse in Flensburg an. Weitere Informationen dazu findest du HIER.
